Seit dem Ende der Franken-Euro Anbindung kann man täglich lesen, wie schlecht es der Tourismusbranche und der Gastrobranche geht. Wie sehr sie unter dem starken Franken leiden und wie schlecht es doch allen geht. Die Preise werden von Jahr zu Jahr von den Restaurants, Hotels usw erhöht und bei den Angstellten wird seit Jahren immer mehr gespart.

Gestern hab ich einen ziemlich interssanten Artikel über die Hotelbranche gelesen. Dort stand, dass in der Schweiz die durchschnittliche Bettenauslastung bei etwa 30% liegt. Das heisst von 3 Nächte sind die Zimmer leer. Es ist egal welches Kundensegment gemeint ist, ob 5-Sterne Luxushotel oder billige Absteige, alle sind vom Konkurs bedroht. Anscheinend gibts eine Studie aus 2005 die sagt, dass so 60% aller Hotels verschwinden werden. Jetzt 10 Jahre später sind bereits knapp 15% der Hotels verschwunden, aber die Bettenanzahl ist stabil geblieben. Das heisst dann, dass weniger Hotels mehr Zimmer anbieten.

So eine Entwicklung kann natürlich nicht gut gehen.

Horrorbeispiele

Ich bin ja fast täglich in irgend einer Stadt oder Dorf für meine Kunden unterwegs.. Zwischen oder während Kundenmeetings sitz ich dann immer wieder in Restaurants und beobachte diese Firmen. Vor ein paar Wochen war ich in Zürich unterwegs. Ich hatte dann einen Termin im Restaurant des Hotels und hab ein Kafi getrunken. Als die Rechnung gekommen ist, bin ich fast vom Stuhl gefallen. Da verlangte das Hotel für die Brühe (Kafi wars vermutlich nicht) ganze 12 CHF (und nein es war nicht Starbucks). Dann war ich letzte Woche in Deutschland, dort wollte ein Restaurant ganze 8€ haben für ein Tee. Also umgerechnet fast 20 DM für ein Tee??? (Nein war auch hier nicht Starbucks). Dann war ich gestern in einem typischen Bauernkaff unterwegs und musste da in so einer Beiz warten. Da wurde mir der Kafi und das Gipfeli doch von einer älteren Frau gebracht und das Ganze hat mich nicht mal 4 CHF gekostet. Oder dann war ich mal in einem Restaurant in Heiden, dem Ort wo die Frauen im Jahr 1989 bei einer Landsgemeinde das Stimmrecht (leider – nein Witz!) erhalten haben. Dort hab ich etwas gegessen und bin danach fast an einer Fleischvergiftung gestorben (das Stück äh Brocken Pferdefleisch war megagross) und der Preis dafür war megaklein.

Wie man sehen kann, ich habe schon alles ausprobiert. Aber eines haben alle gemeinsam, die meisten sind nur am Heulen und Jammern, wie gemein und brutal die heutige Welt ist. Ich seh aber nirgendwo eine wirkliche Innovation.

Jeder der in der Wirtschaft tätig ist weiss, dass jede Bude einen USP (unique selling proposition) also ein Alleinstellungsmerkmal braucht. Das heisst nichts anderes als dass jede Firma sich auf seine Stärken konzentrieren sollte und sich so von der Konkurrenz abheben sollte. Früher war das einfach. Jedes Dort hatte 1 Dorfbeiz, 1 Einkaufsladen und 1 Arzt gehabt und bis zum nächsten Dorf musste man viele Kilometer wandern. Heute aber ist die ganze Welt das Dorf und man hat 983’234’234 verschiedene Restaurants zur Auswahl, 234’2345’634 Einkaufsläden und so weiter. Man muss sich also was einfallen lassen, dass man sich von den anderen abhebt.

Dank den Social Media Kanäle wäre das so einfach wie noch nie. Trotzdem sehe ich in diesem Bereich von der Gastrobranche oder Tourismusbranche nichts. Gut jedes Restaurant hat eine Facebookseite wo immer das Gleiche drinn steht. Oder Hotels die twittern und bei jedem Tweet ein Link zum Hotel bringen. Und …. so…. weiter…

Als Beispiel fällt mir hier ein Restaurant aus einer grösseren Stadt in der Schweiz ein. Sie haben ein Instagramaccount und posten darauf Katzenbilder. Als ich den Restaurantbesitzer gefragt habe, was den gerade ihr aktuelles Dachhaseangebot ist, ist der Typ komplett ausgeflippt. Als er sich wieder beruhigt hat, hat er mir gesagt, dass die Idee von den Katzenbilder von einer SoMe Agentur entwickelt wurde und ihm so viele Follower eingebracht haben. Als ich dann Nachfragte, wieviele dieser Follower den bei ihm essen, wurde er sehr still…

Gutes Beispiel

Als gutes Beispiel für Social Media Einsatz kommt mir auch nach Stunden des angestrengten Überlegens nur der @Wanderhotelier in den Sinn. Ihm gehört der Bernerhof Gstaad Er hat einen aktiven Blog und hat einen Instagramaccount, er veranstaltet seit Jahren die „Gstaad Alp Social“ wo sich Twitterer treffen um gemeinsam wandern zu gehen und er fällt immer wieder mit witzigen Ideen auf. Er ist also ein gutes Beispiel wie man Social Media in der Tourismusbranche und Gastrobranche leben kann. Leider ist er der Einzige der mir in den Sinn kommt.

Leider entwickelt sich diese Branchen immer mehr von den Leuten weg. Als Beispiel, die Hotelkette Marriott möchte ihren Gästen in den USA verbieten, eigene WLAN-Verbindungen in den Hotelzimmern aufzubauen. Dazu setzen sie Störsender ein und verunmöglichen so den Gästen via ihre Mobilegeräte ins Internet zu gehen ohne ihr eigenes, teures Wlan angebot zu benützen. Dazu gibts mehrere Klagen mal gewonnene, mal verlorene…

Warum?

Also ich frage mich seit Jahren warum die Hotels lieber Jammern und Klagen, anstatt selbst aktiv zu werden und die neuen Technologien sinnvoll einsetzen? Ich habe im Laufe der letzten Jahren vom kleinen regionalen KMU bis zu grossen Firmen alles in den Social Media betreut und habe dutzende, nein hunderte Ideen wie man in der Gastrobranche oder Tourismusbranche gut bei den Leuten ankommt. Ich habe auch oft schon versucht hier aktiv zu werden und Kunden in diesen Branchen zu gewinnen. Aber ich bin bisher immer gescheitert. Egal ob Hotel oder Restaurant oder Take-Away Miniladen. Allen fehlt der Wille um hier zu investieren. Lieber geht man beim Blick oder Tagesanzeiger heulen über die bösen Grenzeinkäufer oder dass immer mehr Leute zuhause bleiben und ihre Umsätze sinken. Dabei wäre es so einfach….

Lösungen

Ein Hotel, ein Restaurant, eine Bergbeiz oder ein Kebabladen haben soviele interessante Geschichten zu erzählen, die den Kunde auch interessieren. Jede diese Geschichten warten nur darauf erzählt zu werden. Das kann der Koch aus der Küche sein, der was über sein Essen erzählt oder woher diese sind, lustige und interessante Zimmergeschichten oder Geschichten aus der Umgebung.

Kunden möchten gerne wissen, wo das Hotel/Restaurant liegt, was man so in der Umgebung tun kann. Sie möchten wissen, warum gerade das Hotel gewählt werden sollte und was hier speziell ist. Man möchte wissen wer das Hotel betreibt und welche Leute hier mitarbeiten – ich muss ja denen vertrauen können und wissen dass ich nicht vergiftet oder in der Nacht ausgeraubt werde. Ich möchte gerne wissen ob das Essen im Restaurant selbst gemacht ist oder nur mikrowellenaufgewärmter tiefgefrorener Industriefrass ist. In jeder Ecke wartet eine Geschichte die erzählt werden möchte. Also warum tut das niemand?

Persönliches

Ich habe mir vor Jahren geschworen, dass ich irgendwann ein Hotel oder ein Restaurant als Kunde gewinnen werde und dann sorg ich dafür, dass man den Kunde in der ganzen Welt kennt und er/sie von Gästen überrollt wird. Vielleicht wird sich ja jemand auf Grund dieses Blogbeitrags bei mir melden. Und sonst hoffe ich einfach, dass sich die Branche in den nächsten Monate endlich bewegt. Denn ich kann dieses gejammere und geheule der Tourismusbranche und Gastrobranche wirklich nicht mehr hören! Und solche Jammeri werde ich sicher NIE besuchen gehen – und da bin ich sicher nicht der Einzige…





7 thoughts on “Tourismusbranche, Gastrobranche wo bleiben eure Innovationen?

  1. Der Beitrag spricht mir aus der Seele. Wobei ich nicht speziell an Gastronomie und Tourismus denke. In ganz vielen Bereichen wird der Nutzen der neuen Medien verkannt und folglich nicht genutzt. Ich wundere mich immer wie viele kleine Unternehmen noch keine oder nur eine schlecht gepflegte Internetpräsenz haben. Ich könnte stundenlang dazu schreiben, will ich aber hier nicht tun. Nur soviel: Ich glaube, das Internet setzt sich doch durch.

    LG aus Hamburg von Sibylle

    1. hoi sibylle, danke für dein kommentar

      natürlich gibts auch viele kmu die nen schlechten webauftritt haben. aber die überleben auch nicht lange, hingegen hotels und gastronie überleben dank quersubventionierung viele jahrzehnte. die meisten hotels machen pro jahr 6-20% verlust – ein normales kmu würde sowas nicht überleben…

      es freut mich aber, dass du sibylle, das internet als internet bezeichnest nicht wie die hohen führer deines landes die es als #neuland bezeichnen 😛 btw noch viel spass beim weiterhin bloggen 🙂

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