Wie viele von meinen Lesern seit Jahren wissen, ich mag keine Ausländer. Ich hasse nichts mehr als meine Heimat verlassen zu müssen, um zu diesen Zürchern zu reisen, oder zu den Aargauer, oder noch schlimmer zu den Russen da im Welschland – und ja von diesen Dütschen will ich jetzt gar nicht auch noch anfangen. Am schönsten ist es halt zuhause. Aber manchmal muss es leider sein, und dann muss ich meine heile Welt verlassen und wegreisen. Dazu benütze ich seit Jahrzehnte die ÖV und somit die SBB.

Ich und die SBB wir haben auch hin und wieder eine schwierige Beziehung. Es passiert nicht selten, dass man mich entweder an mein Reiseort bringt und dann dort sprichwörtlich im Regen stehen lässt (weils wie blöd schiffffffft) oder man bietet mir eine Reiseunterhaltung, wo ich mich schäme Mensch zu sein (Ein SBB Reisebericht – Die Schweiz, das Land der Irren und Verrückten).

Der neue Fall

Gestern war es mal wieder soweit, ich wollte am Abend an eine Tischmesse nach Winterthur. Der Nachmittag hat schon mal gut angefangen als mich so eine blonde ältere SBB Schalterarbeiterin angeschnauzt hat, als ob ich ihr Gucci Täschli mit Schoggi eingeschmiert hätte. Da dachte ich schon, WOW heute ist mal wieder einer DIESER SBB Tage. Ich habe dann ziemlich überwindung gebraucht, dass ich am späten Nachmittag überhaupt in den Zug eingestiegen bin. Aber Gott sei dank hab ichs getan – sonst hätte ich diese Reiseunterhaltung verpasst.

Die Hinreise
Die Hinreise war gut – zwar ein wenig warm – aber ok.

Die Rückreise
Als ich dann um 23 Uhr wieder nach Hause wollte, musste ich zuerst mal 15min auf den nächsten Zug warten. Ok das kann passieren ist auch keine Empörung wert 🙂

tischmesse-tascheDann fuhr der Zug ein, ich nahm meine grosse schwere Präsentationstasche auf und wuchtete sie in den Zug. Aber kaum hab ich mein Füdli auf dem Sitzpolster platziert, kam die Lautsprecherdurchsage, dass man wegen eines Personenunfall nicht mehr weiterfahren kann und darum alle aussteigen soll. Man soll aufs nächste Perron gehen und dann den Zug via Frauenfeld nach Weinfelden nehmen und dann so nach St.Gallen reisen.

Man hab ich da geflucht 🙂

Also hiess es wieder aussteigen, den Weg nach unten nehmen und beim anderen Perron wieder hochlatschen. Als ich da war, stand da „nächster Zug 1h später nach Zürich“. Naja das kam mir dann halt schon ein wenig merkwürdig vor, vorallem da ich ja nicht der Einzige war der nach St.Gallen wollte. Da waren sicher nochmal so 100 Leute die wie ich gestrandet waren. Aber da ich ja im Ausland da war und nicht in meiner Heimat und die in ZH ein wenig anders ticken, hab ichs mal mit einem Kopfschütteln akzeptiert.

Als nach 10min immer noch nichts ging und man auch keine Info via Lautsprecher bekommen hat und die Anzeigetafel am Perron immernoch was von Zürich!! geredet hat – was ja die komplett falsche Richtung gewesen wäre – hab ich mal angefangen laut zu motzen. Man hat mich zwar wie ein Alien angeschaut, aber als ich auf die Anzeigetafel auf dem anderen Perron zeigte – dort wo wir ausgestiegen sind, da stand nämlich was von Frauenfeld/Weinfelden – da haben auch andere angefangen zu murren und ich war nicht mehr der Alien.

Also hiess es wieder die Tasche hochwuchten, runterlaufen, unter den Gleisen durch und dann bei dem anderen Perron wieder hoch… Hinter mir alle 100 Leute, die es mir nachgemacht haben.

Nachdem wir wieder beim alten Perron waren, kam wieder nichts – keine Info – keine Hilfe …

Ich sag es euch, es gibt nichts schlimmeres als keine Infos zu haben wie es weiter geht – ob überhaupt – oder ob ich irgendwann auf einer Parkbank übernachten muss weil ich nicht mehr nach Hause kommen kann…

Also ging ich zu meinem ursprünglichen Zug hin – der ja noch da stand – und klopfte dem Lokiführer an die Scheibe. Er hat dann aufgemacht und dann hab ich ihn gefragt wie es weiter geht – weil ja gar nichts mehr stimmt. Da stellte sich heraus, dass der Lokiführer genausowenig weiter wusste und es ihm bewusst war, dass er uns „verarscht“ hat mit dem Perron.

Naja kann man nichts machen, ich hab mich dann mit ihm nett unterhalten und dann so weitere 15min später klingelte das Telefon und so eine Zentrale der SBB war drann und dann kam noch der Kondukteur vom Zug daher gerannt 😛

Fazit: Fahrzentrale hat neue Befehle herausgegeben, wir müssen nicht x-mal Umsteigen sondern dürfen wieder in den ursprünglichen Zug einsteigen und der fährt dann via Frauenfeld/Weinfelden via Gossau nach St.Gallen. Mit ner Verspätung von ca 35min sind wir dann abgefahren – in die richtige Richtung und nach Hause 🙂

Da es aber Leute gab die nach Wil oder Uzwil mussten, waren die jenigen die leicht „am arsch“ waren 😛 So konnte ich dann beobachten, wie der andere Kondukteur wieder mit einer Fahrzentrale geredet hat und so wurden die Anschlusszüge (die letzten an diesem Tag) informiert, dass sie warten müssen. Und diejenigen die das Postauto oder so verpasst haben, haben ein Taxigutschein bekommen – als Postautoersatz – und so haben diese Leute vermutlich auch noch den Heimweg gefunden.

Fazit

Ich weiss ja schon länger, dass die Leute vom Twitter @Railservice auch genial sind und helfen wo sie können. Ich habe aber schon öfters erlebt, dass man sehr – ich sags jetzt nett und politisch korrekt – mühsame Kondukteure oder Fahrschalterangstellte ertragen musste, und sowas einem die Lust am Reisen ziemlich verderben kann. Und das man seit Jahren immer mehr Bezahlt für weniger Leistung von seiten der SBB – trägt auch nicht dazu bei, dass man ein gutes Bild von der SBB hat.

Aber das was die Leute gestern gemacht haben, da war einfach genial. Gut man hätte die Leute besser informieren können. Aber wenn selbst der Lokiführer oder der Kondukteur nicht mehr weiter wissen, dann weiss es wohl niemand. Aber die SBB hat es geschafft, auch wenn man ein wenig Geduld haben musste, dass wir alle nach Hause gekommen sind und uns ist das Erlebnis sicher noch eine Weile im Gedächtnis.

Ein geiler Job von dem Zug-Team und ich hoffe sie bekommen auch vom Chef der SBB oder ihren Abteilungsleitern ein Lob evtl Belohnung dafür – sie haben es verdient.

Schlusswort an den Personenunfall

Als Personenunfall bezeichnet die SBB eigentlich alles wo eine Person zu schaden gekommen ist. Das könnte sein, weil sie ein Gleisarbeiter geschnitten hat oder sowas – bis zu der Sache, wo sich irgend ein äxgüsi Voll-Totsch dazu entschieden hat sein eigenes Leben, wie eine Fliege an der Autowindschutzscheibe, auszuhauchen. Liebe Leute wenn ihr schon kein Bock mehr habt zu Leben, dann lässt die Züge in Ruhe. Nimmt euch ein Strick und den nächsten Baum aber hört auf mit eurem Unsinn andere Leute zu nerven. Ich will gar nicht wissen, wie appetitlich so ein zermatschter Menschenkörper wohl aussieht wenn er mit einem 150km/h schnellen Zug direkten Körperkontakt hatte…

Update 12:00 Uhr

Wie ich gerade gesehen habe, war gestern kein Selbstmördern am werk, sondern es war ein schwerer Unfall von einem Gleisarbeiter.

sbb-unfall-gleisarbeiter-28-august-2015 (Artikel im Blick)





One thought on “Im Notfall kann die SBB halt doch gutes Customer Relationship

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